Archiv der Kategorie 'Gedichtskunst'

Das Gedicht der guten Nacht

Schlaf gut schöne Unbekannte,
Das dein Traum die Welt benannte,
Kaum das Brot zu See verschiffe,
Munter in die Augen liefe,
In die ferne,
In die tiefe,
Mehrfach in den Raum herein,
Endlos bis zum Überfluss,
Sinkend in die Dunkelheit,
Der klare Gedanke unter Verschluss.
Theater klar,
Die Bühne bereit,
Die Augen auf,
Zur Möglichkeit.

Der Rote Feuerwehrmann

Dem Genossen Erich Weinert zu Ehren werde ich gleich zum Anfang hier dieses wunderbarste Gedicht von 1925 in das Gedächtnis rufen.

Der Rote Feuerwehrmann

Hallo, hier geht es drauf und dran!
Wo brennt s im Land? Wo wackelt die Wand?
Ich bin der rote Feuerwehrmann!
Wir halten stand, den Hydrant in der Hand!
Wo ist Alarm? Immer umgeschnallt!
Wem ist zu warm? Dem geb` ich kalt!
Wo die vaterländische Flamme blakt,
wo die Schupo auf die Proleten drescht,
da wird rangehakt,
da wird gelöscht!
Wo es quiemt in der deutschen Kaffeemütze
Vor lauter Kriegsbegeisterungshitze,
immer ran an die Spritze!
Wo sich die Stahlhelmkadetten besaufen
für Kirche und Kapital,
da nehmen wir sie untern kalten Strahl!
Da lernen sie laufen!
Achtung, wer hier mit dem Feuer spielt,
der wird abgekühlt!
Die Fratzen mit den Etappenmonokeln,
die sollen uns nicht die Bude verkokeln!

Straße frei, wir rücken an!
Platz für den roten Feuerwehrmann!

Bei Tag und Nacht geht `s feste ran!
Mit Herz und Hand! Da wackelt die Wand!
So lebt der rote Feuerwehrmann,
mal durchgebrannt und mal abgebrannt!
Wer unsere Fahne in Brand gesteckt,
dem schlagen wir die Fassade ein!
Wir sind Soldaten ohne Respekt
und wollen es sein!
Wir pfeifen auf jede Ordnungsstütze!
Und qualmt der Spießer aus jeder Ritze,
immer ran mit der Spritze!
Der Ministerbonze mit Ordensschmuck,
der kriegt eins auf den Zünder!
Ein Strahl mit drei Atmosphären Druck,
immer runter mit dem Zylinder!
Mit Gott für König und Vaterland!
Jawohl, mit dem Beil in der Hand!
Nur keinen blinden Alarm gezogen,
sonst werden die Fensterscheiben verbogen!

Straße frei! Wer hat, der kann!
Platz für den roten Feuerwehrmann!

Mal geht es los. Mal fängt es an!
Dann kommt der Krach! Da wackelt das Dach!
Hallo der rote Feuerwehrmann!
Den ersten Schlag, immer feste nach!
Paläste stürzen, die Straße brennt!
Es qualmt und stinkt im Parlarment!
Wie stehen die Kurse? Die Börse brennt!
Letzte Notierung! Die Welt ist kaputt!
Bis zum letzten Prozent
alles Dreck und Schutt!
Das Zuchthaus brennt! Es brennt die Kaserne!
Sprengkapseln ran! Hier krachen Konzerne!
Die Menschenschinder an die Laterne!
Wir schlagen die alte Welt in Stücke!
Und wenn die letzte Zwingburg fällt,
dann rauf auf die Trümmer, und ran mit der Picke!
Dann bauen wir uns eine neue Welt!

Straße frei! Wer fängt hier an?
Platz für den roten Feuerwehrmann!




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